Neu in der Dauerausstellung unseres Stadtmuseums

Die verschollenen Altarfiguren aus der Apostelkirche

Jahrzehnte galten sie als verschollen oder zerstört. 2013 tauchten sie als Geschenk an die Evangelische Kirchengemeinde wieder auf: Reliefs einer Christus-, Matthäus- und Johannesfigur. Im Rahmen der Ausstellung "Freiheit und Frömmigkeit" (25.6. bis 10.9.2017 anlässlich des Reformationsjubiläums) konnten sie der Öffentlichkeit erstmals wieder gezeigt werden. Jetzt haben sie einen festen und endgültigen Platz in unserer Dauerausstellung im Obergeschoss des Fachwerkbaus gefunden.

Die Figuren stammen aus einem Nachlass des zwischen 1931 und 1956 in Gütersloh wirkenden Pfarrers Paul Gronemeyer, der sie aus dem Trümmerschutt der am Totensonntag 1944 zerstörten Apostelkirche geborgen und in seiner Pfarrwohnung aufbewahrt hatte. Die Gemeinde fand damals keine geeignete Aufbewahrungsmöglichkeit und auch keinen Ort für eine angemessene Präsentation. Der Historiker Eckhard Möller weist in seinem Aufsatz in den "Gütersloher Beiträgen zur Heimat und Landeskunde" (Nr. 86/2017)  - Gütersloher  Kirchengeschichte - nach, dass diese drei Holzskulpturen seit 1893 die Kanzel der Apostelkirche schmückten.

Damals, nachdem ihre simultane Nutzung durch die evangelische und katholische Kirchengemeinde beendet worden war, wurde der Innenraum unter der Leitung des Hannoveraner Architekten Eberhard Hillebrand (1840 - 1924), einem bedeutenden Kirchbaumeister dieser Zeit, umgebaut und neu gestaltet. Dabei griff der auf Wunsch des Kirchenvorstands weitgehend auf heimische Handwerker zurück. Bei der Ausführung skulpturaler Darstellungen an Kanzel und Altar vertraute Hillebrand allerdings Bildhauern aus Hannover, Louis Krack und Heinrich Schmeckpeper, sowie den Malern Karl Bedey und August Diehn bei der goldenen Einfassung.einzelner Hintergrundfelder.

Die Reliefs des segnenden Christus und des Evangelisten Matthäus sind recht gut erhalten. Die ursprüngliche dunkle Lackierung ist noch fast vollständig vorhanden. Allerdings fehlen bei der Christusfigur beide Arme, so dass weder die Segensgeste und die von der linken Hand gehaltene Weltkugel bei der Identifizierung herangezogen werden können. Allerdings verweisen die Sitz- und Kopfhaltung sowie die Gesichtszüge und die langen, offenen getragenen Haare auf Christus.

Dem Evangelisten Matthäus, auf dessen Schoß ein Buch liegt, das er mit der linken Hand hält, fehlen die Nase und die untere Beinplatte, auf der auch die ebenfalls verlorene Beifigur, der Engel, gestanden hat. Die nachdenklichen Gesichtszüge eines älteren Mannes sind jedoch für Matthäus ebenso typisch wie der lange Vollbart. 

Am schlechtesten erhalten ist das Relief des Evangelisten Johannes, bei dem der Heiligenschein fehlt und ebenso die Lackierung vollständig und der Grundanstrich in weiten Teilen abgeplatzt sind. Auch im Gesicht weist das Relief starke Beschädigungen auf. Erkennbar allerdings ist die nur fragmentarisch erhaltene Beifigur des Adlers neben dem rechten Fuß des Evangelisten. Neben dieser verweisen auch die jugendlichen Gesichtszüge der Figur, die in der linken, übergroß dargestellen Hand ein Buch hält, auf den vierten Evangelisten.

Die ursprünglich ebenfalls zum Figurenprogramm gehörenden Evangelisten Markus und Lukas müssen leider nach wie vor als zerstört oder verschollen gelten.

Eckhard Möller,

Historiker und Archivar in Diensten der Stadt Harsewinkel und der Gemeinde Herzebrock-Clarholz, betreut ehrenamtlich auch das Archiv der evangelischen Kirchengemeinde Gütersloh. Diese Veröffentlichung erfolgt mit Genehmigung  des Verfassers.

Altarraum der Apostelkirche nach Ende des Simultaneums und dem daraufhin erfolgten Umbau durch den Architekten Eberhard Hillebrand (1840 - 1924)